Das "Haus der anderen Nachbarn"

Nach zweijähriger Bauzeit wurde in Haldensleben die einstige Synagoge und spätere Heimstatt der neuapostolischen Gemeinde als das "Haus der anderen Nachbarn" eröffnet. Damit kann ein wichtiges Kulturdenkmal nach seiner Sanierung wieder öffentlich genutzt werden.

Im Jahr 2006 beging die neuapostolische Gemeinde Haldensleben feierlich den 100. Jahrestag ihrer Gründung. Auch ihr ehemaliges Kirchengebäude in der Steinstraße 18 hat eine lange geschichtsträchtige Vergangenheit.

1822 wurde das Gebäude von jüdischen Mitbürgern als Gotteshaus erbaut und rege genutzt. Auf Grund der immer kleiner werdenden Mitgliederzahl stand die Synagoge ab 1907 leer. Im gleichen Jahr mietete die Neuapostolische Kirche das Gebäude für die Durchführung ihrer Gottesdienste.

1953, nach 46-jähriger Nutzung, wurden Grundstück und Gebäude Eigentum der Neuapostolischen Kirche. Viele festliche Stunden hat die Gemeinde Haldensleben in diesem alten Synagogenbau erlebt. Auf Grund seines schlechten baulichen Zustandes und der ungünstigen Platzverhältnisse bezog die Gemeinde Haldensleben im Jahr 2002 neue moderne Räume und übereignete das alte Gebäude dem Landkreis Ohre-Kreis für die weitere Nutzung.

Aus der ehemaligen Synagoge und Kirche wurde nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ein Museum - das "Haus des anderen Nachbarn". Dieses Museum ist allen Bevölkerungs- gruppen gewidmet, die, gleich welcher Herkunft und Religion, neben den alteingesessenen Bürgern von Haldensleben leben oder gelebt haben. Die einstmalige Synagoge und Kirche bildet nicht nur die bauliche Hülle, sondern ist zugleich das wichtigste Ausstellungsstück. Den Raum erhellt ein kunstvoll gefertigter Leuchter in Form eines Ölbaumes. Die Zweige des Ölbaumes sind als Sinnbild des friedlichen Zusammenlebens der Menschen zu verstehen.

Im Museum stehen große Holzkisten, in denen Dokumente und markante Gegenstände der jeweiligen Gruppe oder Religion dargestellt werden. Die Neuapostolische Kirche hat bereits eine solche Holzkiste mit vielfältigem Informationsmaterial ausgestattet.

Unter aufwändiger Restaurierungsarbeit konnte die Reste der historischen Wandmalerei der jüdischen Gemeinde sowie das alte aufgemalte Kreuzsymbol der neuapostolischen Christen wieder sichtbar gemacht werden. Ebenfalls aufwändig hergestellt und für den Besucher sehr interessant sind die maßstabgerechten Raummodelle sowohl der ehemaligen jüdischen Synagoge als auch des einstigen Gemeindesaales der Neuapostolischen Kirche.

Am 17. April wurde das "Haus der anderen Nachbarn" vom Landrat feierlich eröffnet. Unter den vielen Gästen waren auch Mitglieder der neuapostolischen Gemeinde. Sie staunten über die ansehnliche Neugestaltung ihres alten Versammlungssaales.

M.J.

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